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Evangelisches Kulturbüro RUHR 2010

Die Evangelischen Kirchen im Ruhrgebiet beteiligen sich an der Planung, Vorbereitung und Durchführung der Kulturhauptstadt RUHR 2010.

Die Evangelische Kirche im Rheinland und die Evangelische Kirche von Westfalen beteiligen sich gemeinsam am Programm der Kulturhauptstadt Ruhr 2010: Beide Kirchen haben entschieden, ein „Kulturbüro Ruhr 2010“ mit Hauptsitz in Essen und Außenstelle in Dortmund einzurichten, wie die westfälische Landeskirchenrätin Karin Moskon-Raschick und der rheinische Landeskirchenrat Hermann Wischmann am Montag auf einer Pressekonferenz in Essen mitteilten. Am 14. August wollen die Kirchen gemeinsam mit zahlreichen Kulturschaffenden ihre Beteiligung am Kulturhauptstadtprogramm mit einer Auftaktveranstaltung formell eröffnen. Unter www.evangelisch2010.de ist das Kulturbüro ab sofort auch im Internet präsent.

Im Trägerkreis sind neben den beiden Landeskirchen hinaus die Konferenz der Ruhrsuperintendenten als gemeinsames Gremium aller evangelischen Kirchenkreise in der Region, der Evangelische Stadtkirchenverband Essen, der Beauftragte der Evangelischen Kirchen bei Landtag und Landesregierung NRW sowie die Lippische Landeskirche vertreten. Als „assoziiertes Mitglied“ wird auch Dr. Petra Bahr, die Kulturbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland, mitarbeiten.

„Die Kirchen sind der älteste Kulturträger im Ruhrgebiet, kulturelles Schaffen ist eine wesentliche Äußerung des christlichen Glaubens. Schon deshalb zählen wir auch im Rahmen des Kulturhauptstadtprogramms Ruhr 2010 zu den ersten Adressen“, erklärte Landeskirchenrätin Karin Moskon-Raschick. Aufgrund ihrer großen Leistungen in den Bereichen „Kulturelle Bildung“ und „Integration“ sowie bei der Begleitung und Unterstützung des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Strukturwandels im Ruhrgebiet verfügten die Kirchen über ein breites Reservoir an Themen. „Und da sich auch die Kirche ständig im Wandel befindet und auf neue Herausforderungen reagieren muss, hat uns das Kulturhauptstadt-Thema ‚Kultur im Wandel, Wandel durch Kultur’ sofort überzeugt.“

Landeskirchenrat Hermann Wischmann erhofft sich von der Beteiligung an der Kulturhauptstadt auch eine innerkirchliche Wirkung: Der Theologe erwartet einen Kontrapunkt zur ständigen Diskussion über kirchliche Strukturen, Mitgliederschwund und Sparzwänge. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Kirchen könne eine „Bereicherung für uns selbst“ bedeuten und der Dialog mit neuen Kulturpartnern zu einer „inneren Belebung“ führen, führte Wischmann aus.

Mit der Leitung des Evangelischen Kulturbüros haben beide Kirchen die Pfarrer Andreas Volke (52) und Andreas Isenburg (40) beauftragt. Die Theologen sollen bis zum Jahr 2010 ein umfangreiches Programm koordinieren, das Schwerpunkte in den Bereichen „Spirituelles Erleben, „Kunst, Tanz und Musik“, „Interreligiöser Dialog“ und „Kirchentourismus im Ruhrgebiet“ setzt. Das Evangelische Kulturbüro unterhält keinen Fonds zur finanziellen Förderung einzelner Projekte. Volke und Isenburg beschreiben ihre Aufgaben deshalb vor allem als „Motivation, Kommunikation und Koordination“. Zur Zeit seien vor allem Ideen gefragt: Dies gelte sowohl für die Beteiligung mit Initiativen und Veranstaltungen in den einzelnen Städten und Kirchenkreisen des Ruhrgebiets als auch für jene Referenzprojekte „mit europäischer Ausstrahlung“, die der Kulturhauptstadtbüro Ruhr 2010-GmbH zur Förderung und Aufnahme in das offizielle Programm vorgeschlagen werden sollen. Die organisatorische Umsetzung sollen jeweils thematische Arbeitskreise übernehmen, in denen Kulturschaffende aus verschiedenen Städten zusammenarbeiten. Die Ernennung von Kulturbeauftragten und die Gründung von Arbeitskreisen zur Kulturhauptstadt in den Kirchenkreisen bezeichneten Volke und Isenburg als „wichtigen Schritt“ auf dem Weg zu einem gemeinsamen wie regional vielfältigen Programm. Bei ihren Besuchen vor Ort erführen sie derzeit „viel Zustimmung“.


Verantwortlich für das neu eingerichtete Kulturbüro zur Kulturhauptstadt RUHR 2010: (v.l.) Pfarrer Andreas Isenburg und Pfarrer Andreas Volke, Leiter des Evangelischen Kulturbüros Ruhr 2010, daneben Landeskirchenrätin Karin Moskon-Raschick, EKvW, und Landeskirchenrat Hermann Wischmann, EKiR, als Sprecher des Trägerkreises


Ziel der evangelischen Beiträge sei es, neben der punktuellen Präsenz und der Umsetzung von Leuchtfeuer-Projekten für viel Nachhaltigkeit zu sorgen: „Wir wollen nach dem Jahr 2010 im Hinblick auf die Kulturarbeit unserer Kirchenkreise und Kirchengemeinden besser dastehen als vorher“, hieß es. Für die Auswahl der Projekte seien hohe qualitative Anforderungen ebenso wichtig wie Mobilisation und Beteiligung der Bürger, die Förderung von Dialog und Begegnung der Kulturen und Religionen im Ruhrgebiet sowie die längerfristige Stärkung der Zusammenarbeit der Akteure im Bereich von Kirche und Kultur. „Dabei wenden wir uns nicht nur an jene Kulturschaffenden, mit denen bereits in der Vergangenheit das Gespräch geführt wurde. Gerade neue und ungewöhnliche Partnerschaften und Kooperationen von Kirche und Kunst, Kirche und Musik, Kirche und Literatur usw. sind gefragt.“

Eine ganze Reihe von Ideen und erste Projektskizzen liegen jedenfalls schon vor: So könnte ein „Zelt des Glaubens“, bekannt schon vom „Carnival der Kulturen“ in Essen, durch die Städte des Ruhregebiets wandern und als Raum der Begegnung von Kulturen und Religionen fungieren. Entlang der Autobahn A 40 planen die Citykirchen ein Projekt unter dem Motto „Engel der Geschichte“, das durch einen Essay von Walter Benjamin inspiriert wurde. Das „Orgelfestival Ruhr“ erlebt bereits im kommenden Jahr seine Premiere und soll bis zum Jahr 2010 ausgebaut werden; Ähnliches gilt für ein Tanz-Festival in Dortmund. Als spirituelles Pendant zur „Extraschicht“, der Nacht der Industriekultur im Ruhrgebiet, könnte es zudem eine ökumenisch durchgeführte „Nacht der offenen Kirchen“ geben. Große Offenheit erleben Andreas Volke und Andreas Isenburg auch im Gespräch mit den Tourismus-Organisationen: „Kirchentouren“ könnten „wie auf Pilgerwegen von Kirche zu Kirche führen, thematisch konzentriert auf Kirchenfenster oder bedeutende Orgeln, verknüpft mit den jeweiligen (Lebens-) Geschichten, die Kirchbauten erzählen.“ Weitere Anstöße sind willkommen: „Wir sind offen für den Dialog und die Zusammenarbeit mit allen zeitgenössischen Kunstformen“, wie Karin Moskon-Raschick betonte.

Den offiziellen Startschuss für die evangelische Beteiligung an den Planungen zum Kulturhauptstadtjahr bildet eine Auftaktveranstaltung am 14. August in der Dortmunder Petrikirche. Weitere Informationen dazu finden Sie unter www.evangelisch2010.de.


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